Balders Träume und Balders Tod

 

Balders Träume:

 

Für alle unbegreiflich plagen Balder einst schlimme Alpträume, in denen er von seinem eigenen Tod träumt. Als Odin davon erfährt, begibt er sich als Wegtam getarnt mit seinem Hengst Sleipnir auf einen gefahrvollen Ritt in die unterste aller Welten nach Niflheim, im Edda-Lied Balders Träume (= Balders draumar) auch als Niflhel bezeichnet, das hinter Helheim liegt, um dort der Ursache der quälenden Alpträume seines Sohnes Balder auf die Spur zu kommen.

 

An seinem Ziel angekommen erweckt Odin eine tote Seherin mittels Zauberkräfte zum Leben, die ihm dann die Bedeutung der Träume offenbart. Odin erfährt von ihr, dass Balder von seinem blinden Bruder Hödur getötet wird, nicht aber, dass Loki der Anstifter der Schandtat ist. Balders Empfang sei im Totenreich bereits vorbereitet. Überdies gibt sie Odin kund, dass der von ihm mit der Riesin Rind gezeugte Sohn Wali, sich an Hödur für dessen Mord an Balder rächen wird und ihn tötet.

 

Zuletzt gibt sich der als Wegtam verkleidete der Seherin schließlich als Odin zu erkennen und reitet zurück nach Asgard, um seiner Gemahlin Frigga die besorgniserregende Botschaft zu übermitteln.

 

 

 

Balders Tod:

 

Als Frigga vom bevorstehenden Tod ihres geliebten Sohnes Balder erfährt, versucht sie diesen mit allen Mitteln zu verhindern. Dabei bereist sie die ganze Welt und nimmt allem Existierenden den Schwur ab Balder kein Leid zuzufügen. So leistet ein jedes Wesen seinen Schwur, bis auf die Mistel, die Frigga für zu jung und unbedeutend hält, als dass von ihr überhaupt eine Gefahr ausgehen könne. Von letzterem Umstand erfährt auch Loki und plant bereits Übles.

 

Die Asen sind zunächst beruhigt und werfen bei einer Versammlung mit allerlei Gegenständen auf Balder, um sich an dessen Unverwundbarkeit zu erfreuen. Alleine Loki kann es nicht mit ansehen, dass sich alle so sehr um Balder und seine Unverletzlichkeit rühmen.

 

Somit besorgt sich Loki einen Mistelzweig und schnitzt daraus einen kleinen Wurfpfeil. Diesen gibt er dem blinden Hödur und stiftet ihn an, die Mistel auf seinen Bruder Balder zu werfen. Unwissentlich über die Konsequenzen schießt Hödur mit dem Pfeil auf Balder, der daraufhin tot zu Boden fällt. Loki flüchtet daraufhin und versteckt sich vor dem Zorn der Götter.

 

Alle Anwesenden der Versammlung sind schockiert und fassungslos. Infolgedessen beauftragt Odin seinen Sohn Hermod auf dem Helweg nach Helheim zu reiten, um die Totengöttin Hel durch Zahlung eines Lösegeldes zur Herausgabe des getöteten Balder zu bewegen; ein Versuch der fehl schlägt (mehr hierzu siehe "Hermods Helritt"). Fast unmittelbar nach der Geburt Walis, rächt dieser sich am blinden Hödur und tötet ihn für den Mord an Balder. Nun muss auch Hödur sein Dasein in Helheim fristen. Loki, der Initiator der Freveltat hält sich aber nach wie vor versteckt.

 

Während Hermods Ritt nach Hel, beginnt die Bestattung des lichten Gottes Balder, an welcher außer den Asen auch die Walküren und sogar die mit den Göttern verfeindeten Hrimthursen und Bergriesen teilnehmen. 

Balders Gattin Nanna zerspringt bei Balders Bestattung vor lauter Trauer das Herz und sie stirbt. Sie wird mit auf einen Scheiterhaufen gelegt, über den Thor mit seinem Hammer Mjöllnir die Weihe spricht. Dabei gerät Thor der Zwerg Lit vor die Füße, welcher von Thor mit ins Feuer befördert wird. Auch der Hengst Balders wird mit auf einen Scheiterhaufen gegeben. Odin legt des Weiteren den magischen Ring Draupnir mit ins Feuer hinzu.

So wird Balder auf sein Schiff Hringhorn, das größte aller Schiffe gelegt und soll in die See gestoßen werden, was jedoch nur der aus Jötunheim herbeigerufenen, auf einem Wolf reitenden Riesin Hyrrockin gelingt. Als die Riesin das Schiff anstößt, sticht es funkenschlagend und erderschütternd in die hohe See.

 

Nur wenn ein jedes Wesen um Balder trauert, so wird es Hermod von der Totengöttin Hel versichert, entlässt sie Balder aus dem Totenreich. Daraufhin weint alles Seiende um den lichten Balder, außer die Riesin Thökk, welche eine metamorphe Gestalt Lokis darstellt. Somit lehnt die Hel Balders Erlösung aus dem Totenreich ab.

 

Die Götter begeben sich auf die Suche nach Loki und fangen ihn schließlich ein. Bis zum Anbruch von Ragnarök wird er an einen Felsen gefesselt und windet sich dort in Pein (mehr hierzu, siehe Mythen über Loki; "Lokis Gefangennahme").

 

Erst nach Ragnarök kehren Balder und Hödur versöhnt wieder, um die neue Erde in Eintracht zu regieren.

 

 

           

            (Abbildung oben: Balder und Nanna in Helheim)